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Aktuelles

Annette Hess
Deutsches Haus

Ein Medientipp von
Daniela Röcher-Büdenbender
(Team der Stadtbibliothek Kreuztal)

Frankfurt am Main 1963, der erste Auschwitz-Prozess reißt die junge BRD aus ihrem Wirtschaftswunderschlummer.

Unerwartet wird die junge Dolmetscherin Eva gebeten, eine Zeugenaussage zu übersetzen. Ausgerechnet an dem Sonntagnachmittag, als ihr Verlobter zum Antrittsbesuch bei ihrer Familie erscheint. Diese Aussage erschüttert sie zutiefst, es ist scheinbar das erste Mal, dass sie von einem Ort namens Auschwitz hört. Eva bekommt das Angebot, beim Prozess aus dem Polnischen zu übersetzten, und nimmt dieses Angebot gegen den Widerstand ihrer Eltern und ihres Verlobten an.

Die Autorin begleitet in ihrem ersten Roman die Hauptperson durch diesen Prozess. Aus Nichtwissen wird Nicht-glauben-können wird Entsetzen. Eva leidet mit den Opfern und kann nicht verstehen, dass die Täter keinerlei Schuldbewusstsein oder Reue zeigen.

Annette Hess gelingt es die Zeit der frühen 60er Jahre aufleben zu lassen. Aus den Radios dudeln Schlager, im Kino läuft Winnetou und die Schrecken des Krieges und des Holocaust sind vergessen und verdrängt. Gerade durch die leichte Sprache und das langsame Herantasten der Hauptfigur an die Vergangenheit und ihre eigene Lebensgeschichte, ist der Roman sehr eindringlich.