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Aktuelle Medientipps

Nora Bossong
Reichskanzlerplatz

Ein Medientipp von
Linda Donalies
(Team der Stadtbibliothek Kreuztal)

Besonders, informativ, distanzierter als erwartet

Aus Sicht des fiktiven Hans wird das Leben der späteren Magda Goebbels geschildert – da dies hauptsächlich aus der Ferne geschieht, sind es eher Schlaglichter, wer eine Biografie erwartet wird enttäuscht. Aber diese machen Lust auf etwas Recherche zu einer Frau, die mir bisher nur als Vorzeigemutter des Dritten Reichs bekannt war.

Ebenfalls in Schlaglichtern erlebt man durch Hans Augen den Untergang der Weimarer Republik, den Aufstieg Hitlers und den zweiten Weltkrieg.
Hans, der Männer liebt und nicht von der Politik Hitlers überzeugt ist. Hans der beim Konsulat arbeitet, niemanden zu nah an sich ran lässt, aber alle nah genug um nicht aufzufallen. Da er nicht emigrieren will, tut er das was er als nötig erachtet um zu überleben. Ein Freund dazu: „Ich verstehe euch nicht. Die einen zögern, und die anderen reden sich heraus, und die Dritten können Gewalt gegen die Mörder nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren.“ (S.233.)

Hans erzählt nüchtern, ist sparsam mit Worten und deckt auf 294 Seiten doch über zwei Jahrzehnte bewegte Geschichte ab. Trotz des Erzählstils gelingt es der Autorin eine zutiefst beklemmende Grundstimmung zu schaffen. Interessant und faszinierend, aber nicht schön zu lesen – dafür steckt bei aller Nüchternheit zu viel Schrecken zwischen den Seiten.