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John Williams
Butcher's Crossing

Eine Rezension von
Sandro Abbate

Es ist die Geschichte des jungen Harvard-Studenten Will Andrews, der um 1870 der Universität den Rücken kehrt und in den Westen fährt, um dort nach einer “ursprünglichen Beziehung zur Natur” zu suchen. Ganz im Sinne Ralph Waldo Emersons. Er schließt sich Miller, einem Büffeljäger, an. Mit ihm und zwei weiteren Männern, Fred Schneider und dem bibelfesten Alkoholiker Charlie Hoge, zieht er Richtung Colorado in die Berge, um eine Bison-Herde zu suchen, die Miller vor über einem Jahrzehnt dort gesehen haben will. So beginnt eine Reise voller Naturschönheit, aber auch voller Widrigkeiten und Strapazen. Und sie endet, wie soll es anders sein, in einer Tragödie.

Vielleicht ist Butcher’s Crossing einer der ersten Anti-Western. In jedem Fall ist es einer der besten. Williams zeichnet ein Bild vom Westen, in das man während der Lektüre tief eintaucht. Der Leser fühlt die Aufbruchstimmung ebenso wie die Misere der Protagonisten. Dieser Western ist nicht, wie man es vielleicht gewohnt ist, kitschig. Das Land, durch das die vier Männer ziehen, ist getränkt vom Blut sinnlos zu Tausenden abgeschlachteter Büffel. Edle Tiere, begehrt um ihr Fell. Die Kadaver werden achtlos liegen gelassen und verwesen zuhauf. Butcher’s Crossing ist nicht einfach der Roman eines jungen Mannes, der sich aufmacht, um sich selbst zu finden. Es ist vielmehr der Spiegel eines jungen Landes, das auf der eigenen Existenz besteht, sich ausweitet und dabei nicht auf die Folgen achtet.